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14. Nov. 2017

Zum Stand des Zubaudeckels September 2017

 

Mit dem EEG 2014 wurde der sogenannte Flexdeckel eingeführt und die deutschlandweite Förderung der Flexibilisierung von Biogasanlagen - die Flexibilitätsprämie - auf insgesamt 1,35 GW begrenzt. Die Prämie wird nur bis zum Erreichen dieser Grenze gewährt. Meldet die Bundesnetzagentur, dass diese Grenze erreicht wurde, werden lediglich Meldungen bis zum nächsten Monatsende anerkannt. Deshalb ist es für jeden Betreiber, der über die Flexibilisierung nachdenkt oder sie konkret plant, notwendig den aktuellen Status des Zubaus zu beobachten.

Stand 25.10.2017 sind bei der BNetzA die bis 30.09.2017 eingegangenen Daten verarbeitet und ausgewiesen.

 

 

Entwicklung der Nutzung des Flex-Prämienzubaudeckels

Im September 2017 wurden nach Auswertungen der Bundesnetzagentur 21.740 kW dem Zubaudeckel neu zugeordnet, was im Mittel etwa dem Durchschnitt der letzten 9 Monate entspricht. Damit setzt sich der seit Herbst 2016 Trend einer leichten aber konstanten Steigerung fort. In den knapp 3 Jahren seit Bestehen der Regelung wurden nun insgesamt 449.174 kW - also 0,449 GW - dem Förderdeckel zugeordnet, dies entspricht 33,3% des Deckels.

Quelle: http://www.bundesnetzagentur.de/


DAS ERSTE DRITTEL IST WEG - BEI EINEM ZWAR LEICHTEN ABER KONSTANTEN ZUWACHS

Die monatlichen Zahlen sind schwankend, aber sie stabilisieren sich im 12-Monatsschnitt auf rund 20.000 kW Zuwachs je Monat und liegen damit knapp doppelt so hoch als 2015 und 2016.

Die Zahlen des September geben keinen neuen Impulse, bestätigen aber den Trend einer stetigen und leichten Steigerung. Die schwer zu beantwortende Frage ist weiterhin, ob und wann der Aufwärtstrend beendet sein wird. Eine Verdoppelung des Zuwachs alle 12 Monate wird allein aufgrund mangelnder Kapazitäten bei den BHKW-Herstellern die nächsten Jahren nicht durchgehend möglich sein.

Die linke Grafik zeigt somit den "schlimmsten" Fall, jene Verdoppelung alle 12 Monate. Durch diesen exponentiellen Anstieg wäre der Deckel spätestens Mitte 2019 ausgeschöpft. Nimmt man hingegen die aktuellen 20.000 kW Zuwachs auch weiterhin als die realistische Zuwachsmenge an, bleibt der Deckel bis etwa Ende 2020 bestehen (rechte Grafik). Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.

Prognosen zur weiteren Entwicklung des Zubaudeckels

Wir brauchen nun nicht in Panik verfallen, jedoch scheint dieser Winter ein guter Zeitpunkt für die Entscheidung. Genehmigungen dauern gerne ein halbes Jahr und auch deutlich länger, BHKW-Lieferzeiten sind auch eher drei bis fünf Monate und mehr. Deshalb gilt wie bisher: die Optionen für eine Flexibilisierung müssen aufgestellt und bewertet werden. Fällt die Einschätzung für eine Erweiterung positiv aus, sollte man nicht mehr zögern, sondern konsequent loslegen.

 

Primärregelleistung oder Fahrplan – Die richtige Fahrweise

 

Eine zentrale Frage bei der Flexibilisierung ist die nach der Fahrweise. Die Ausrichtung auf die bedarfsgerechte Stromerzeugung mit automatischen Start-/Stopp-Betrieb steht dem Regelenergiebetrieb mit kurzen teilweise starken Lastwechsel und Teillastfahrten gegenüber. Diese Ausrichtung entscheidet insbesondere über das wirtschaftliche Gelingen der Erweiterung. Achten Sie bei der Bewertung vor allem auf die tatsächlichen Vollkosten. Direktvermarkter bieten auf Grund mangelnder Alternativen verstärkt sogar für kleinere BHKW Primärregeleistung an. Gelockt wird mit kostenlosen Erweiterungen der Fernsteuerungen vor Ort, hingegen verpflichtet man sich zu langen Vertragslaufzeiten. Das Problem ist jedoch, dass die BHKW nicht für den notwendigen Teillastbetreib ausgelegt sind. Selbst bei optimaler Einstellung bleiben deutliche Wirkungsgradverluste, die – je nach BHKW und Substratkosten - die Erlöse aus der Vermarktung vollständig aufbrauchen. Somit bleibt nichts als ein schlechter Direktvermarktungsvertrag mit langer Laufzeit übrig.

Die Preise bei den Regelenergiearten sind weiterhin sehr niedrig, die oft angepriesen Primärregelleistung stagniert ebenfalls auf unterstem Niveau. Für viele Anlagen ist die bedarfsgerechte Stromerzeugung mit automatischer Fahrplansteuerung die bessere Wahl. Sei es für die wirtschaftliche Stabilität als auch für die zukünftige Ausrichtung der Biogasanlage. Oder ganz einfach für das Gelingen der Energiewende.

 

Die Flexibilisierung einer Biogasanlage

 

Folgende Fragen können Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen:

  • Welche Fahrweise ist eigentlich die richtige für meine Anlage? Hilft mir dabei mein aktueller Direktvermarkter wirklich? Was bieten andere an? Wer geht auf alle Bedürfnisse meiner Biogasanlage ein?
  • Wohin will ich mit meiner Biogasanlage, vor allem nach den 20 Jahren EEG-Vergütung?
  • Was kann ich mit einer flexibilisierten Anlage wirklich verdienen, was erhalte ich durch die Flex-Prämie, was aus dem Ausfahren der Höchstbemessungsleistung, was aus einem verbesserten Wirkungsgrad?
  • Habe ich alle Möglichkeiten der EEG-Optimierung genutzt (alle Bonifikationen), nutze ich alle sonstigen Einnahmequellen wie Wärmeverkauf und Fahrplanerlöse?
  • Was muss ich bei Wartung, Instandhaltung und von Seiten der Genehmigung auch ohne Flexibilisierung in meiner 20-jährigen EEG-Laufzeit tun?

Sind diese Fragen beantwortet, können die Angebote eingeholt werden. Mit den gesamten Erträgen und Kosten (und der obligatorischen Zusage der Netzeinspeisung) sollte man dann keine Zeit mehr verlieren.
Ihre Flexibilisierung sollte jetzt beginnen.


Regensburg, 02.11.2017
Christian Dorfner



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