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Wir informieren rund um das Thema Biogas

09. Jul. 2018

Das Ende der Regelenergie für Biogasanlagen

Neue Angebotsmechanismen der Bundesnetzagentur und verbesserte Handelsoptionen beim kurzfristigen Stromhandel üben zusätzlichen starken Druck auf die Preise am Regelenergiemarkt aus. Die noch verbliebenen Erlöse für Biogasanlagen werden durch die Einbeziehung der Arbeitspreise in das Zuschlagsverfahren gänzlich wegfallen.
Gewinner ist die bedarfsgerechte Stromerzeugung.

 

Neue Angebotsverfahren lassen die Erlöse aus Regelenergie weiter fallen
Fahrpläne nehmen weiter an Bedeutung zu

Erlöse aus Regelenergie weiterhin stark sinkend

Seit 2015 nehmen die Erträge aus Regelenergie kontinuierlich ab. Erste Direktvermarkter bieten gewisse Regelenergieprodukte schon nicht mehr an, andere weisen deren Mehrerlöse zusammen mit dem Hinzurechnungsbetrag aus der Direktvermarktung (früher "Managementprämie") aus, um zumindest auf dem Papier noch einen Gewinn vorzeigen zu können.

Der Regelenergiemarkt gerät aktuell zusätzlich unter Druck, denn die Bundesnetzagentur ist angehalten, die Kosten für Stromnetz volkswirtschaftlich „günstig“ zu halten. Der Zuschlag zur Leistungsbereitstellung von Regelleistung wird bereits ab dieser Woche unter Berücksichtigung des Arbeitspreises vergeben. Somit werden Angebote mit hohen Arbeitspreisen, die darauf aus waren, nicht oder nur sehr wenig abgerufen zu werden, künftig kaum noch die Chance auf Zuschlag haben. Zudem wird die Vermarktung nicht mehr wochenweise erfolgen, sondern in 4-Stunden-Scheiben, wodurch wesentlich mehr Anlagen teilnehmen können. Will man weiterhin in diesem Markt anbieten, wird man die Arbeitspreise deutlich reduzieren müssen. Dadurch wird wiederum die Abrufhäufigkeit zunehmen, aber gleichzeitig werden sich die Erlöse sich noch weiter verschlechtern.

Vermarkter unter Druck

Auch viele Direktvermarkter haben wohl diesen Mechanismus genutzt, um ihr Poolrisiko durch ein zusätzliches Anheben des Arbeitspreises zu reduzieren. Zudem sind in den Verträgen mit den Betreibern die hohen Arbeitspreise oftmals direkt festgelegt worden. Vor diesem Hintergrund werden viele Direktvermarktungsverträge angepasst werden müssen.

Primärregelleistung eine schlechte Alternative

Auch die letzte verbliebene, scheinbar lukrative Variante der Primärregelleistung befindet sich immer weiter auf Talfahrt, denn auch hier nimmt das Angebot ständig zu, wohingegen die Nachfragemenge der BNetzA sehr konstant bleibt. In Folge dessen und auf Grund der weiteren Öffnung der europäischen Stromnetze sind die Preise auf einem neuen Tiefstand. Eine klassische Nawaro Anlage wird die Erlöse direkt wieder durch die wirkungsgradbedingten gestiegen Substratkosten verlieren. Unterm Strich ist Primärregelleistung höchstens kostendeckend.


Mittlerer Leistungspreis für das Bereitstellen von 1 MW Primärregelleistung je Woche (Rohertrag, vor Aufteilung zwischen Vermarkter und Anlage); Quelle: regelleistung.net

Strommarkt übernimmt Aufgaben der Regelenergie

Der Druck auf die Regelleistungsmärkte wird nun sogar noch zunehmen, denn auch der Strommarkt stellt sich immer mehr auf die fluktuierenden Stromerzeuger ein. Neben der Einführung eines weiteren inner-europäischen Strommarktprodukts wird der Intra Day Handel verändert, indem noch 5 Minuten vor Beginn der Viertelstunde gehandelt werden kann. Dies hat unmittelbar zu Folge, dass Abweichungen wie etwa BHKW-Ausfälle und Fehlplanungen viel genauer und rechtzeitiger über den normalen Stromhandel und nicht mehr über Regelenergie korrigiert werden können. Das heißt, dass der Bedarf an Regelenergie weiter sinken wird.

Diese Tendenz, die Unterschiede bei Angebot und Nachfrage auch immer kurzfristiger über den Stromhandel auszugleichen, ist ein eindeutiger Hinweis auf die wachsende Bedeutung der bedarfsgerechten Stromerzeugung. Es ist damit zu rechnen, dass sich der Strommarkt weiterhin klar positiv zugunsten flexibler Biogasanlagen entwickelt.

Automatische Fahrplansteuerung für eine nachhaltige, bedarfsgerechte Stromerzeugung

Ein Betreiber wird jedoch nicht ständig den Börsenticker beobachten um den besten Zeitpunkt zu finden, in dem er die BHKW ein- oder ausschalten kann (wobei er dann auch noch nachrechnen muss, ob auch sein Gasspeicher dafür ausreicht).

Über eine Fahrplansteuerung, die vollautomatisiert die erzeugte Wärme und den Strom optimal wegfährt und sich bei Bedarf den Preisen anpasst, können flexible Biogasanlagen wieder zukunftsichere Zusatzerlöse erzielen. 33.000 Euro aus Fahrplanerlösen und Managementprämie sind für eine doppelt bebaute 500kW Biogasanlage je nach Speichervolumen möglich, ohne die BHKW zusätzlich mit Start-Stopps im Viertelstundentakt zu ruinieren oder über unberücksichtigten Wirkungsgrad die Substratkosten zu erhöhen.

Betreiber sollten ihre Kündigungsfrist bei der Direktvermarktung prüfen (hier eine Hilfestellung, was dabei zu beachten ist). SKVE erstellt flexiblen Biogasanlagen gerne ein Angebot, wie mit Fahrplänen und einer ruhigen Start-Stopp-Fahrweise wieder mehr Erlöse für die Anlage erzielt werden. Wir arbeiten mit flexiblen, tatsächlich fernsteuerbaren Biogasanlagen zusammen, die etwa die doppelte Leistung oder mehr installiert und mehr als sechs Stunden nutzbaren Biogasspeicher haben.

Und das ohne den täglichen Ablauf auf der Anlage zu stören,
vollautomatisiert und ohne Mehraufwand für den Betreiber.

 

Regensburg 09.07.2018
Christian Dorfner

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