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02. Okt. 2018

Fahrplan ist nicht gleich Fahrplan

Fast alle Vermarkter bieten mittlerweile Fahrplan-Lösungen an. Lässt man die zum Teil enormen Erlösunterschiede außer Acht, sind die Unterschiede auf dem ersten Blick schwer erkennbar. Wie kann sich ein Betreiber bei den Angeboten nun zurechtfinden? Wir zeigen die wesentlichen Varian-ten und deren Vor- und Nachteile auf. Hier der erste Teil der Vergleichs der Modelle, die mit Preisvorhersagen und Regelenergie arbeiten.

 

Fahrplan ist nicht gleich Fahrplan

Update von 17.10.2018

 

Beste Preise

Die einfachste Form einer Fahrplanlösung ist, "beste Preise" zur Verfügung zu stellen. Der Vermarkter bietet für den nächsten Tag oder für die nächste Woche eine Übersicht der zu erwartenden Stundenpreise an, markiert in rot und grün für schlechte und gute Zeiten. Anhand dieser darf der Betreiber selbst seinen Fahrplan hineinlegen, der Vermarkter übernimmt das Ergebnis und die BHKW werden über die Fernsteuerung zu- oder abgeschaltet.

Diese Art von Fahrplanmanagement wird als besonders anlagenfreundlich mit maximalen Freiheiten für den Betreiber angeboten. Jedoch trägt jegliches Risiko einer falschen Fahrplanerstellung, von Ausfällen, von Wirkungsgrad- und Wärmeverlusten oder zusätzlichen Wartungskosten der Betreiber. Er bezahlt bei Abweichungen von Fahrplan die Kosten für Ausgleichsenergie.

Da der Vermarkter kein Risiko trägt, kann er gerne großzügig wirken und mit hohen Prozenten locken. Der zusätzliche Anteil von oft 30%, die er für ein Kundenportal und eine einfache Preisprognose erhält, ist für den Vermarkter leicht verdientes Geld.

 

Regelenergie

Oft wird das Modell „beste Preise“ mit Regelenergie kombiniert, kann aber auch für sich alleine angeboten werden. Die Unterschiede in der Handhabung sind für den Betreiber gering. Bei der Regelenergie muss die Anlage den Fahrplan für eine ganze Woche im Voraus in HT/NT-Blöcken festlegen, da dies das aktuelle Handelsintervall für Regelenergie ist. Ein echter Fahrplan mit BHKW im Start-Stopp-Betrieb kann aber unmöglich für eine Woche im Voraus festgelegt geschweige denn eingehalten werden.

Es gibt natürlich Anlagen, die sich für Regelenergie eignen. Diese sind meist stark in ihrer Fahrweise eingeschränkt und somit nicht für einen echten Fahrplanbetrieb geeignet. Trotz Biogasspeicher und zusätzlicher BHKW Kapazität diktiert hier der Wärmebedarf die Leistung, meist als Dauerläufer. Die übrigen BHKW werden geschont. Diese BHKW können prinzipiell gut am Regelenergiemarkt platziert werden, auch die Fahrplanerstellung über konstante Dauerläufer ist einfacher.

Preisentwicklung bei RegelenergieVorsichtig muss man aber mit den Erlösprognosen umgehen. Die zum Teil erstaunlich guten und im Verkaufsgespräch vorgestellten Gewinne einzelner Anlagen basieren überwiegend auf einem extrem hohen Arbeitspreis. Diese Möglichkeit wurde von der Bundesnetzagentur als volkswirtschaftlich irregulär erkannt und wird ab Oktober zu keinen Zusatzerlösen mehr führen.

Zudem sind die Preise am Regelenergiemarkt übergreifend unter starkem Druck - für alle Arten Minutenreserve, Sekundär- und Primärregelleistung. Und neben den Erträgen müssen auch die Betriebskosten genau betrachtet werden. Oft werden die Wirkungsgradkosten und die Belastungen der BHKW beim kurzfristigen hoch- und runterfahren nicht mit eingerechnet. Der Betreiber verdient scheinbar vernünftig bei dieser Vermarktung, am Jahresende fehlen aber 500 Tonnen Silage

 

Standardisierte Fahrpläne „zur Einsicht“

Eine fortschrittliche Lösung scheinen jene Betreiber zu erhalten, deren Vermarkter täglich oder wöchentlich tatsächlich Fahrpläne für die Anlagen erstellt. In den Vertragsbedingungen ist aber vor einer Reaktionszeit, Abstimmung bis 9.00 Uhr, Einsicht in den Fahrplan, Korrekturfenster oder ähnlichem zu Lesen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass der Fahrplan des Vermarkters nur ein mehr oder wenig vager Vorschlag ist, den der Betreiber korrigieren muss. Kommt er dieser Aufgabe nicht nach und der Fahrplan schlägt fehl, weil Gasspeichergrenzen überschritten, die Wärmemenge nicht reicht oder zu viele Start-Stopps gefahren werden, ist der Betreiber gänzlich in der Verantwortung.

Ebenso wie bei allen anderen Varianten auch muss er bei Abweichungen vom Fahrplan die Kosten für Ausgleichsenergie tragen falls er die Korrektur nicht permanent nachgemeldet hat.

 

Meldung von freien Kapazitäten

Manche Vermarkter möchten neben einer meist einfachen Grundfahrweise, die der Betreiber festlegt, lediglich eine Meldung zu den übrigen Kapazitäten haben. Anhand dieser BHKW-Freiheiten werden vom Vermarkter kurzfristig BHKW dazu- oder abgeschaltet. Die Vermarktung erfolgt meist im Viertelstundenrhythmus am Intra Day Markt. Das kann funktionieren, wenn der Vermarkter sich an den Prämissen der Anlage hält: Speicher, Start-Stopp-Kosten, Wirkungsgrade, Mindestlaufzeit pro Start und insbesondere Wärmelieferung.

Genau hier liegt die Schwachstelle dieser Modelle, da die Vermarkter keine Biogasanlagenbetreiber sind sondern Händler. Also wird die Verantwortung wieder dem Betreiber übertragen. Der Betreiber hat, sofern er keine riesigen Speicher hat, viel tägliche Arbeit mit Nachrechnen, Justieren und Melden.

 

Garantierte Vergütung und Festpreise

Die Fahrplanmodelle dieser Angebote unterscheiden sich oftmals nicht von den bisher genannten Modellen, lediglich das Vergütungsmodell sieht anstelle der zähler- und viertelstundengenauen Abrechnung eine Garantiezahlung vor, oft ohne „Risiko“ für Ausgleichsenergiezahlungen.

Wie auch bei den anderen Varianten ist es aber entscheidend, wer den Fahrplan verantwortet. Auch hier ist es Aufgabe und Verantwortung des Betreibers sich um Wirkungsgrade, Wärmemengen und Speicher zu kümmern. Der Vermarkter gibt wieder nur seine Preisprognose weiter oder macht höchstens einen Vorschlag zum Fahrplan.

Aber auch das kaufmännische Modell muss genau betrachtet werden, denn die garantierte Auszahlung ist natürlich an die Verfügbarkeit und Fahrplantreue der BHKW gebunden. Je nach Ausfalldauer und -häufigkeit reduziert sich die Garantiezahlung für die betroffenen Stunden oder gleich für den ganzen Tag. Dies gilt ebenso bei ganz normalen Wartungen. Muss der Betreiber den Fahrplan im laufenden Betrieb korrigieren, weil die Wärme nicht ausreicht oder die Speichergrenzen verletzt werden, reduziert sich ebenfalls die Vergütung.

Auch wenn es nicht als Kosten für Ausgleichsenergie bezeichnet wird, bedeutet es nichts anderes. Die scheinbare hohe garantierte Zahlung oder der Festpreis schrumpfen so sehr schnell zusammen.

 

Echte, individuelle Fahrpläne

Auf Grund unserer Erfahrungen im Biogasbereich haben wir eine Fahrplansteuerung entwickelt, die den Betreiber tatsächlich unterstützt und die ganze Biogasanlage miteinbezieht. Nur den Handel zu optimieren ist nämlich keinesfalls ausreichend. In die Fahrplanerstellung fließen deshalb stets Wirkungsgrade, Wärmebedarf und Start-Stopp-Kosten ein. Der Gasspeicher wird ebenso wie der Wärmepufferspeicher mitgeplant und überwacht. Schwankungen in den Füllständen führen bei Bedarf automatisch zu Fahrplanänderungen. Bei den Änderungen wird darauf geachtet, dass nur so viel angepasst wird wie notwendig ist. So bleibt die grundlegende Fahrweise, wie wir sie zuvor mit dem Betreiber abgestimmt haben, stabil und ruhig.

Fahrpläne der SKVEZwei Start-Stopp-Vorgänge am Tag, 120 Minuten Mindestlaufzeit sind typische Vereinbarungen, die sich mit den Vorschlägen der BHKW-Gutachtern wie IG-Biogasmotoren e.V. decken. Der Betreiber kann sich auf die Anlagentechnik konzentrieren, muss weder täglich Fahrpläne erstellen noch absegnen. Lediglich längere Störungen oder Wartungen sollten gemeldet werden.

 

Woher kommen die Erlöse bei der bedarfsgerechten Stromerzeugung?

Im Fahrplanbetrieb sind für den Zusatzgewinn der Anlage die nutzbaren Speicherkapazitäten und die tatsächlich verfügbare flexible Leistung entscheidend. Anlagen mit kleinem Speicher, hohen Dauerläuferanteil, vielen Ausfällen oder sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden haben so folgerichtig geringere Erlöse. Dafür werden selbst in der Flexibilität eingeschränkte Anlagen innerhalb der gesetzten Grenzen gefahren, sie verlieren keinen KWK-Bonus, und am Jahresende ist die wirtschaftlich optimale Menge an Substraten verbraucht worden.

Wir nutzen den Stunden und Viertelstundenmarkt und reagieren auf kurzfristige Preisspitzen (oder -täler), um den Strom aus den Biogasanlagen optimal zu vermarkten. Die Erlöse werden transparent und viertelstundengenau für jede Anlage einzeln abgerechnet. Wir vermischen keine Poolkosten in die Abrechnung oder Ausgleichsenergierisiken anderer Anlagen, schon gar nicht jene von Wind und PV. Die Anlage wird auch weiterhin mindestens die Höhe der bisherigen Vergütungen erzielen. Mit SKVE gibt es keine Vertragsstrafen oder versteckte Kosten.

 

Realistische Erlöse oder nur Versprechungen - die hohen Gewinne der Referenzanlagen

Hochflexible Anlagen verdienen so aktuell bis zu 1,5 ct je kWh. In Gesprächen und Vorträgen werden aber oftmals Anlagen vorgestellt, die 2 ct/kWh und sogar noch mehr durch Fahrpläne und Regelenergie verdient haben. Dementsprechend hoch sind dann auch die in Aussicht gestellten Zusatzerlöse für die eigene Anlage. Aber ist das überhaupt möglich, so hohe Gewinne zu erzielen?

Natürlich werden auf den Vorträgen und Präsentationen immer nur die (wenigen) besten Anlagen hergezeigt, aber manche Erträge aus der Vermarktung sind in der Tat bemerkenswert. Ein Grund ist die Vermarktung mittels eines extrem hohen Arbeitspreises bei der Regelenergie. Bis Mitte Oktober dieses Jahres konnte bei der Regelenergievermarktung dieser Preis fast beliebig hoch angesetzt werden. Abrufe führten somit zu sehr hohen Erlösen für die Direktvermarkter. Mittlerweile wurde dies jedoch durch die Bundesnetzagentur unterbunden und ist somit nicht mehr erlössteigernd.

Die zweite Ursache war das ungleichmäßige Weitergeben von Regelenergie-Abrufen und den damit verbundenen Erlösen. Dahinter verbergen sich Algorithmen der Vermarkter, die "Meldegenauigkeit" und "Fahrplantreue" bevorzugen und anhand dieser Kennzahlen bestimmten „guten“ Anlagen überproportional viele Abrufe zuteilen. Dieses Prinzip wird wohl nicht jedem Betreiber gleich kommuniziert. Manche Betreiber wundern sich so seit Jahren, warum sie unterm Strich nichts über den Fahrplan und Regelenergie verdienen, der Nachbar aber regelmäßig gute Erlöse erhält.

Fahrpläne der SKVEUm eine hohe Zuteilung zu erhalten, muss eine Anlage Ihren Fahrplan – wie immer dieser auch aussieht – exakt einhalten. Aber nicht jeder Betreiber kann stündlich seinen Fahrplan überwachen und korrigieren. Auch haben die wenigsten Anlagen so überdimensionale Speicher, dass der Fahrplan für 7 Tage nicht unterbrochen werden muss. Die Referenzanlegen sind letzten Endes Ausnahmeanlagen, die zudem eine Marktsituation ausnutzen konnten, die so nicht mehr existiert.

 

Die Fallstricke hinter den hohen Versprechungen

Manche Angebote scheinen aber nach wie vor verlockend. Hohe Gewinne und garantierte Zahlun-gen werden versprochen. Die Vertragsmodelle der Anbieter sind verschieden, meist sind die ver-sprochenen Erlöse jedoch Folge von unrealistischen Annahmen. Folgende Dinge sollten kritisch hinterfragt und geprüft werden:

  • Die zentrale Größe einer fahrplangesteuerten Anlage ist der Biogas-Speicher. Prüfen Sie, wer bei der Planung und im täglichen Betrieb die Einhaltung der Speichergrenzen verantwortet. Nicht jede Anlage kann für 30 Stunden und mehr Biogas- und Wärmespeicher vorweisen, ins-besondere gibt die Wärmeabnahme bei vielen Anlagen den Fahrplan vor.
  • Achten Sie bei den Verträgen auf Bestrafungen bei Ausfällen und Wartungen. Uns ist keine Bi-ogasanlage bekannt, die Verfügbarkeit von 100% vorweisen kann, man denke an Wartungen und unvorhersehbare Störung der BHKW, Pumpen oder Einbringsystem.
  • Die BHKW sollten maximal 1000 Start-Vorgänge im Jahr haben und je Start mindestens 90 Mi-nuten laufen. Sie können eben nicht im Viertelstundentakt hoch- oder runtergefahren werden, der zusätzliche Verschleiß wäre sehr hoch.
  • Die Wirkungsgrade der BHKW sind selbst bei gleichen Motoren unterschiedlich. Ein Fahrplan muss dies berücksichtigen. Richtig ist, die flexible Kapazität entsprechend anzupassen, sonst fehlen am Jahresende viele Tonnen auf der Silageplatte.

Ein rein börsenpreis-optimierter Fahrplan könnte in der Tat hohe Gewinne ermöglichen. Nur kann dieser dann in der Realität nicht umgesetzt werden, zumindest nicht ohne auf der Anlagenseite deutliche Zusatzkosten entstehen zu lassen. In den Verträgen der Anbieter finden sich so Passagen, die eine 100%ige Verfügbarkeit fordern, Wartungen 14 Tage im Voraus gemeldet haben wollen oder eben einfach alle Verantwortung, Last und Risiko dem Betreiber aufbürden.

 

 

Wir versprechen Ihnen ein faires und realistisches Angebot, das der Flexibilität und Leistungsfähigkeit Ihrer Anlage entspricht.
Sie werden sehen, es lohnt sich.

 

Regensburg 17.10.2018
Christian Dorfner

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